By Anna Katharina Hahn

Mustermütter und Karrierefrauen, Eurythmie und Hysterie, Alleinerziehende und Problemkinder, Wohlstand und Verwahrlosung. used to be geschieht, wenn guy das Leben, das guy immer haben wollte, endlich führt? Wenn die Kompromisse in Zwang umschlagen und das Glück sich nicht einstellt? In ihrer literarisch bestechenden Bestandsaufnahme erzählt Anna Katharina Hahn von Frauen, deren Lebensraum zum Käfig geworden ist und von einem Jungen, der ausbricht.

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We Men Who Feel Most German: A Cultural Study of the Pan-German League, 1886-1914

The Pan-German League was once the main radical of all of the patriotic societies in Imperial Germany, the main ferocious voice of German nationalism. Its software sincerely expected that of the Nazis in calling for German growth at the eu continent and abroad, in branding Jews as participants of an inferior but harmful race, and in advocating a German nationwide neighborhood within which inner antagonisms of no matter what personality may dissolve.

Berlin Games: How the Nazis Stole the Olympic Dream

IN 1936, Adolf Hitler welcomed the realm to Berlin to wait the Olympic video games. It promised to be not just an impressive carrying occasion but additionally a grand exhibit for the rebuilt Germany. No attempt was once spared to provide the 3rd Reich because the latest international strength. yet underneath the glittering floor, the video games of the 11th Olympiad of the trendy period got here to behave as a crucible for the darkish political forces that have been collecting, foreshadowing the bloody clash to come back.

Selected Poetry of Johann Wolfgang von Goethe (Penguin Classics)

Goethe considered the writing of poetry as basically autobiographical, and the works chosen during this quantity characterize greater than sixty years within the lifetime of the poet. In early poems equivalent to 'Prometheus,' he rails opposed to faith in a virtually ecstatic fervor, whereas 'To the Moon' is an enigmatic meditation at the finish of a love affair.

Migration and Inequality in Germany 1870-1913 (Oxford Historical Monographs)

Grant's examine is a rigorous research of migration in Germany in the demographic and socio-economic contexts of the interval studied. Focusing quite at the rural labour industry and the criteria affecting it, it additionally examines the 'pull' issue to towns, and gives extra nuanced interpretations of German industrialization within the overdue 19th and early 20th centuries.

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Sörens Gesicht conflict ganz nah, die Brille spiegelte vor seinen Augen. Sie nahm sie vorsichtig ab und steckte sie ein. Er battle stark kurzsichtig, und den leisure des Abends mußte er an ihrer Hand gehen. Judith kneift die Augen zusammen, schüttelt sich, um den movie abreißen zu lassen. Sie zwingt sich, an Kilians Imbiß zu denken, bis zum Abendessen dauert es noch. Nach dem Abschied von Vater und Bruder hat sich der Dreijährige ins Kinderzimmer zurückgezogen. Er kann sich lange allein beschäftigen und ist, im Gegensatz zu dem redseligen Uli, nicht ständig auf ein Gegenüber angewiesen. Sie füllt getrocknete Apfelringe und Rosinen in eine kleine Schüssel, löffelt Kräutertee in das porzellanene Ei mit Vergißmeinnichtmuster, dreht den Wasserhahn auf, hält den Kessel darunter, reißt ein Streichholz an – in der Hackstraße gab es ein Feuerzeug in Knallpink mit dem Aufdruck eines Pizzaservices. Sie entzündet das fuel. Das Wasser kocht schnell. Das Pfeifen des Kessels, das Versinken des Eis, das beim Eintauchen eine Schnur silbriger Blasen hinter sich herzieht, der Geruch nach Minze und Melisse, das alles ist wie jeden Tag. Die Ordnung der Dinge wird von ihr und der Waldorfpädagogik bestimmt: keine Aufregungen, kein Fernsehen, nicht zuviel Besuch, ein durchritualisierter Alltag, geregelt nach dem Kreislauf der Natur. Es ist ein vorhersehbares Leben, zu Hause genauso wie im Kindergarten: montags Müsli, dienstags Schrotbrei, mittwochs Wasserfarben, donnerstags Plastizieren, wochenlang wird dasselbe Märchen erzählt. Das Gehetze ist aus ihrem Leben verschwunden. Sie fährt oft aus der Stadt hinaus, über Degerloch hinauf in die eingemeindeten Dörfer auf den Fildern. Dort hält sie Ausschau nach Schildern: Blumen zum Selbstschneiden. Sie schleppt sie büschelweise nach Hause: Pfingstrosen, Gladiolen und Sonnenblumen, im Herbst Astern, Efeuranken, Tannenzweige und schließlich Christrosen, grünlichbleich mit wächsernen Blütenblättern voller Frostkristalle. Im Wohnzimmer steht der Jahreszeitentisch mit den kleinen Filzfiguren der Naturgeister, die sie alle selbst hergestellt hat, immer wieder staunend, daß ihre Hände so etwas fertigbringen. So schwingt sie mit ihrer Familie im großen Rhythmus im Inneren einer riesigen Glocke, in der sie alle den Lauf der Zeit durchmessen, hin- und hergewiegt, vom iciness in den Frühling, vom Frühling in den Sommer, den Herbst, durch die Adventszeit, in ständiger, beruhigender Wiederholung. Aus dem Kinderzimmer dringt leises Summen, »Fuchs, du hast die Gans gestohlen«, unterbrochen vom Geflüster des Kindes. Kilian kauert auf dem hellen Wollteppich, den blonden Kopf über einen Korb mit unregelmäßig gesägten Aststücken gebeugt. »Und jetzt tu ich dich da rein, du kommscht da rein, und du beißt, du bleibscht draußen. « Es ist seit Wochen Kilians Lieblingsspiel, seine Holztiere in Gehege einzusperren, dicht an dicht, Wald- und Bauernhofbewohner nebeneinander wie in Noahs Arche. Heute macht er zum ersten Mal Unterschiede, nimmt das Liedchen zum Anlaß, den Fuchs auszuschließen.

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